Im Laufe der Jahre bei der Behandlung von Innenohrerkrankungen wie Tinnitus und Hörsturz ist mir aufgefallen, dass die Therapien in unserer Praxis bei einigen Patienten unglaublich gut wirken und bei anderen mit gleichen Voraussetzungen weniger. Ich habe mich gefragt, woran das liegen kann. Die Therapien wurden erweitert und optimiert und nach wie vor gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Auch die Schulmedizin kann nicht immer die gleichen Ergebnisse mit derselben Therapie versprechen. Heilversprechen sind im Bereich der Medizin sowieso untersagt.
Faktoren für die Wirksamkeit einer Therapie
Nach einiger Zeit der eigenen Forschung bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:
1. Alter
Eigentlich unterstützen die meisten Therapien die Selbstheilungskräfte des Körpers. Die Regenerationskraft nimmt allerdings mit dem Alter ab. Deshalb hat ein junger Patient bessere Aussichten auf Heilung als ein älterer Patient.
2. Begleiterkrankungen
Gibt es neben dem Tinnitus noch weitere Erkrankungen, wie zum Beispiel Rheuma, Bluthochdruck, Diabetis etc. Wenn der Körper bereits mit anderen Erkrankungen beschäftigt ist, dann ist die Heilungschance für das Ohr ebenfalls geringer. Der Körper ist bereits geschwächt und die Regenerationskraft eingeschränkt.
3. Medikamente
Meist nehmen Patienten bei Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Rheuma Medikamente ein. Diese haben Nebenwirkungen und schränken die Selbstheilung und Regenerationskraft ebenfalls ein. Natürlich können Medikamente notwendig sein, aber mir ist aufgefallen, dass es dadurch Blockaden bei der Regulation geben kann.
4. Veränderungen
Bin ich bereit als Patient mein Leben zu verändern? Es kann sein, dass es hilfreich ist krankmachende Lebensweisen zu ändern, um wieder gesünder zu werden. Das kann den Schlaf oder die Ernährung betreffen. Bezogen auf das Ohr kann es sein, dass Stressoren wie laute Umgebung am Arbeitsplatz zu meiden sind. Krankheit und bestimmte Symptome zeigen Probleme und führen einen gezwungenermaßen auf einen besseren Weg. Auch Konflikte im Leben anzugehen und aufzulösen, gehört in diese Rubrik.
5. Therapie verfolgen
Werden die Therapieempfehlungen eingehalten und befolgt? Wenn ich mein Ohr schonen soll und weiterhin auf Konzerte gehe, dann sind die Chancen auf eine Verbesserung sehr gering. Es muss hier tatsächlich der Wille bestehen, die Therapie zu befolgen.
Welche Rolle spielt der Glaube?
Die oben beschrieben Punkte sind für mich schon seit geraumer Zeit relativ klar. Warum ich diesen Artikel schreibe, ist ein weiterer Punkt, den ich hier etwas hervorheben möchte: Ich spreche vom Glauben an die Therapie. Wir kennen das Sprichwort Glaube versetzt Berge. Und in der Tat habe ich festgestellt, dass positiv gestimmte Patienten, die voller Glauben die Therapie starten, bessere Ergebnisse am Ende erzielen.
Die Schulmedizin spricht hier von Placebo. Viele denken über Placebo, dass die Therapie nicht wirkt, sondern dass nur der Glaube daran die Wirkung ist. Das halte ich allerdings für falsch, denn der Glaube und die offene Haltung gegenüber der Therapie öffnen das Feld und die Therapie kann viel besser und effektiver sein. Wir haben durch den Glauben also noch einen zusätzlichen Wirkfaktor.
Durch eine positivere Haltung während der Therapie, fallen auch kleinste Verbesserungen der Symptome eher auf und die Zuversicht steigt.
Natürlich ist eine gewisse Skepsis gegenüber einer Therapie sinnvoll. Und viele Patienten in meiner Praxis sind skeptisch, weil die Methoden noch relativ unbekannt sind. Dennoch reicht eine offene Haltung gegenüber etwas Neuem bereits aus, um auch hier bessere Erfolge zu erzielen.
In diesem Sinne, glaube ich an weitere Verbesserungen.
Ihr Robert Kroll
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